Jeder Video-Frame besteht aus einer oder mehreren NAL-Units. Sie sind durch Startcodes (0x00 00 00 01) im Annex-B-Format oder length-prefixed im MP4-Format markiert. NAL-Types unterscheiden zwischen IDR-Frames (Keyframes), P/B-Frames, SPS, PPS und (bei HEVC) VPS. Reparatur-Tools scannen den mdat-Block nach NAL-Boundaries, um Frame-Grenzen zu finden, wenn die Sample-Tabelle fehlt.
Das SPS muss vor dem ersten Frame decodiert werden. Es enthält Auflösung, Bit-Depth, Chroma-Format (4:2:0, 4:2:2, 4:4:4), Profile (Baseline, Main, Main 10, High) und Level (Frame-Rate-Limits). Bei der Reparatur muss das SPS entweder aus dem Bitstream extrahiert oder aus einer Referenz-Aufnahme übernommen werden.
Das PPS verweist auf ein SPS und enthält Frame-Level-Parameter. Mehrere PPS pro Stream sind möglich, jeder Frame verweist auf eines davon. Wie das SPS wird das PPS aus der Referenz oder aus dem Bitstream extrahiert.
Das VPS wurde mit HEVC eingeführt und enthält Cross-Layer-Information für skalierbare Codings (SHVC) und Multi-View (MV-HEVC). Auch wenn die meisten HEVC-Streams diese Features nicht nutzen, muss das VPS trotzdem vor dem ersten Frame vorhanden sein.
IDR-Frames sind die Sync-Points im Video-Stream. Jede Aufnahme beginnt mit einem IDR. Beim Seeken springt der Decoder zum nächsten IDR und beginnt von dort die Decodierung. Bei der Reparatur ist der erste IDR der Anker für die gesamte Frame-Tabelle.
Sonys H.264-/H.265-Variante für Profi-Kameras. Drei Sub-Klassen: XAVC-I (Intra), XAVC-L (Long-GOP), XAVC-S.
XAVC-I codiert jeden Frame als Intra-Frame (keine Inter-Frame-Compression) — bis 600 Mbit/s. XAVC-L nutzt GOP-Compression, ist effizienter aber komplexer zu reparieren. XAVC-S ist die Consumer-Variante in A7-Modellen. Die Bitrate-Class (240, 480) ist kritisch für die Reparatur — Profile 5.1 und 5.2 sind nicht austauschbar.
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ProRes-Varianten (Proxy, LT, 422, 422 HQ, 4444, 4444 XQ) unterscheiden sich in Bitrate und Color-Depth. ProRes 4444 unterstützt Alpha-Channel. Alle ProRes-Varianten leben in MOV-Container — ein Remux nach MP4 ist nicht standard-konform, weil MP4 ProRes nicht offiziell als Codec listet.
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H.264 (= AVC, MPEG-4 Part 10) ist seit 2003 standardisiert. Profile reichen von Baseline (Webcam) bis High 10 (Profi 10-bit). Wird in MP4 mit avcC-Box konfiguriert. Reparatur ist robust, weil Decoder weit verbreitet und tolerant sind. Erfolgsquote bei Standard-Reparatur ~85%+.
HEVC ist seit 2013 standardisiert. Profile reichen von Main (8-bit 4:2:0) bis Main 10 / Main 4:2:2 (Profi). Wird in MP4 mit hvcC-Box konfiguriert. Reparatur ist schwieriger als bei H.264 wegen length-prefixed NAL-Units und strikterer Decoder. Bei Sony FX-Serie, iPhone Pro, GoPro HERO11+, DJI Avata 2 ist HEVC Standard.
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Dolby Vision speichert dynamische Tone-Mapping-Metadaten (RPU) in eigenen NAL-Units pro Frame. Profile 8.4 (iPhone Cinematic Mode) ist abwärtskompatibel zu HDR10 (statische Metadata). Bei beschädigten Files mit verlorenen DV-RPU-Streams fällt der Decoder auf SDR-Fallback zurück — Bild sieht flach aus.
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HDR10 nutzt BT.2020 Color-Primaries und PQ (Perceptual Quantizer) als Transfer-Function. Die Mastering-Display-Metadata (Max Content Light Level, Max Frame Average) werden einmal im Container gespeichert — anders als bei Dolby Vision, das pro-Frame Metadata hat. Bei der Reparatur müssen diese Metadata aus einer Referenz übernommen werden.
BT.2020 (ITU-R Rec. 2020) ist der Color-Space-Standard für 4K, 8K und HDR. Wird in der VUI (Video Usability Information) des Bitstreams als colour_primaries=9 markiert. Wenn diese Information bei der Reparatur verloren geht, wird das Material als BT.709 interpretiert — Farben sind dann zu stark gesättigt.